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Jahresrückblick: 100 Jahre 100 Gesichter

Jahresrückblick: 100 Jahre 100 Gesichter

Im Vorfeld der 100 Jahr-Feier des ÖHB am 1. November in der neuen Sport Arena Wien, bestimmten über mehrere Wochen hinweg Fans, Experten und der ÖHB gemeinsam jene 100 Personen, die dem österreichischen Handball in den letzten 100 Jahren ihren Stempel aufdrückten. Zusammengekommen ist eine Namensliste, die sämtliche Jahrzehnte und sämtliche Erfolge prägte. Aus diesen 100 haben wir sieben Persönlichkeiten ausgewählt, die wir näher beleuchten und die stellvertretend für all die Spielerinnen, Spieler und Offizielle stehen, die sich auf und neben dem Spielfeld in den Dienst des österreichischen Handballs stellten.

Ausra Fridrikas

Welthandballerin, Champions League-Siegerin und 133fache österreichische Nationalteamspielerin. Ausra Fridrikas ist eine der prägendsten Spielerinnen im Frauenhandball der letzten drei Jahrzehnte gewesen. Sie führte Österreich bei der EURO 1996 und der WM 1999, bei der sie zur „wertvollsten Spielerin“ gekürt wurde, zu Bronze. 1999 wurde ihr zudem die Auszeichnung der IHF zur Welthandballerin zuteil. Damit ist sie die zweite Österreicherin nach Jasna Kolar-Merdan, die es in diesen elitären Kreis schaffte.

In Litauen geboren, absolvierte sie zunächst 165 Länderspiele für die Sowjetunion, danach noch 86 für Litauen, ehe sie Österreicherin wurde. Gunnar Prokop lotste sie einst zu HYPO NÖ, wo er ihrem Spiel den Feinschliff verpasste. Gemeinsam feierten die beiden unzählige Titel, darunter fünfmal die EHF Champions League.

Jasna Kolar-Merdan

Sie darf sich gar achtfache Champions League-Gewinnerin nennen, war bei allen Triumphen von HYPO NÖ maßgeblich beteiligt. Fünf davon teilt sie sich mit Ausra Fridrikas, mit der sie gemeinsam eine Ära prägte. 1990 wurde Jasna Kolar-Merdan zur Welthandballerin gekürt, ist mit 1.206 Toren österreichische Rekord-Werferin und absolvierte insgesamt 163 Länderspiele in Rotweißrot. Mit Jugoslawien gewann sie 1980 Olympia-Silber, 1984 schließlich Gold. Nachdem sie 1985 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, nahm sie mit Österreich 1992 noch einmal an Olympischen Spielen teil.

Gunnar Prokop

Mit den Karrieren und den Titeln der beiden Welthandballerinnen ist unweigerlich ein Name verknüpft: Gunnar Prokop! Seine Karriere war geprägt von unglaublichen Erfolgen, die damals wohl niemand für möglich gehalten hätte. Wie beispielsweise der Triumph mit HYPO NÖ im Europacup.

Geboren am 11. Juli 1940, lernte er während seines Studiums seine spätere Frau Liese Prokop, geborene Sykora, kennen und trainierte sie. 1968 holte sie unter seiner Führung bei den Olympischen Spielen in Mexiko die Silbermedaille im Fünfkampf. 1972 wechselte Gunnar Prokop zum Handball und gründete HYPO Niederösterreich. Zwischen 1977 und 2010 wurde HYPO Niederösterreich unter Gunnar Prokop durchgehend österreichischer Meister und gewann bis heute achtmal die EHF Champions League. Anlässlich der Gala zum zehnjährigen Jubiläum der Gründung der EHF wurde er zum Coach of the Century gekürt. 2007 wurde Gunnar Prokop vom Land Niederösterreich für sein Lebenswerk geehrt.

Josef Stefflbauer

Josef Stefflbauer repräsentiert stellvertretend für viele große Persönlichkeiten die Ära des Feldhandballs. Der in Aggsbach an der Donau geborene Oberösterreicher spielte von 1953 bis 1966 in der österreichischen Nationalmannschaft und führte das Team bei der letzten Feldhandball Weltmeisterschaft in Österreich 1966 zur Bronzemedaille.

Er war zu seiner Zeit einer der weltweit gefürchtetsten Angreifer, seine Tore, insgesamt erzielte er über 450 Tore in 79 Länderspielen für Österreich, brachten seiner Mannschaft oftmals den Sieg. In den Analen ist vor allem sein Spiel bei der Weltmeisterschaft 1966 gegen die Schweiz, in dem er rekordverdächtige 12 Tore warf, besonders erwähnt.

Viktor Szilagyi

Mit gerade einmal sieben Jahren übersiedelte der gebürtige Ungar mit seiner Familie nach Österreich. Mit dem THW Kiel gewann er 2007 die EHF Champions League und wurde mehrfacher deutscher Meister. Mit dem VfL Gummersbach holt der heute 47-Jährige den EHF Cup, den er später nochmals mit der SG Flensburg-Handewitt gewinnt, sowie den Europapokal der Pokalsieger.

Über viele Jahre war er die Schaltzentrale des österreichischen Nationalteams. 1998 gab er mit 19 Jahren sein Debüt, 2016 beendete er nach dem WM-Playoff gegen Dänemark seine Team-Karriere. 2010 löste er mit dem Nationalteam den ersten Handball-Boom nach der Jahrtausendwende aus, führte die Mannschaft als Kapitän sensationell in die Hauptrunde der Heim-EURO und schließlich zu Rang 9, der besten Platzierung bei den Männern bis zu diesem Zeitpunkt.

Patrick Fölser

Dabei stand ihm mit dem heutigen ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser ein wahrer Fels in Angriff und Deckung zur Seite. Der gelernte Koch wagte 2000 den Schritt nach Deutschland, wo er schließlich den Großteil seiner Karriere verbrachte. Im Team-Dress absolvierte der Kreisläufer 218 Länderspiele, womit er für zehn Jahre den Titel „Rekord-Feldspieler“ trug, ehe von Robert Weber abgelöst wurde.

18 Jahre lief Patrick Fölser für Österreich auf, absolvierte neben der Heim-EURO 2010 auch die WM 2011 und folgte 2014 nochmals dem Ruf des damaligen Teamchefs Patrekur Johannesson, ehe er noch im gleichen Jahr seine Handball-Karriere beendete.

Aleš Pajovič

Danke für ALES! So titelte der ÖHB nach dem Abschied von Österreichs erfolgreichstem Männer-Teamchef im Frühjahr 2025. 2019, knapp ein Jahr vor der Heim-EURO, übernahm der Slowene das österreichische Nationalteam und führte es prompt zu Rang 8. Es folgten die WM 2021, die EHF EURO 2022 und die unvergessene EURO 2024 in Deutschland. Die Corona-Jahre waren vorüber und mit den leidenschaftlichen Auftritten sorgte man hierzulande für eine wahre Handball-Euphorie, die rund um das Nationalteam ungebrochen scheint.

In Köln verpasste man das Halbfinale nur hauchdünn, belegte am Ende erneut mit Rang 8 die beste EM-Platzierung bei den Männern. Im Jänner 2025 gelang bei der WM schließlich der erstmalige Aufstieg in die Hauptrunde, wo ebenfalls auf das Viertelfinale nur wenig fehlte.

Aleš Pajovič ist der erfolgreichste Trainer bei den Männern, der mit seiner unverkennbaren Art nicht nur eine eingeschworene Einheit formte, sondern vor allem viele Herzen für sich gewann.

31/12/25 17:53 zurück